03.01.2019

Warum Sie ungefilterten Emotionen nicht die Führung überlassen sollten

Puh! Das war anstrengend! Als John aus dem Projektmeeting kommt, ist er sichtlich geschafft. Die Einführung der neuen HR-Software geht nur schleppend voran. Das ist echt frustrierend! Aber für seine Emotionen bleibt keine Zeit. Schließlich warten jede Menge Mails auf ihn. Und schon in einer halben Stunde beginnt sein Teammeeting. Also bleibt ihm nur: den Frust runterschlucken und weitermachen. Wirklich? Was denken Sie: Welche andere Option hat er?

Lifting others up!

Neulich habe ich einen spannenden Blog gelesen. Eine Senior Managerin, die ich von einem Workshop kenne, fordert darin Führungskräfte auf, keine negative Stimmung im Team zu verbreiten. Stattdessen wünscht sie sich von Führungskräften, dass sie ihr Team beflügeln. Start lifting others up! Ich kann den Gedanken absolut nachempfinden. Denn Führungskräfte haben einen großen Einfluss auf die Atmosphäre im Team. Vielleicht haben Sie ja auch schon die Erfahrung gemacht, dass Ihre Emotionen das ganze Team beeinflussen können – positiv wie negativ. Zur gleichen Zeit ging mir beim Lesen durch den Sinn: Wie sollen die Führungskräfte mit ihren eigenen Emotionen umgehen? Schließlich ist auch das eine ganz schöne Herausforderung ist – zumindest in meinem Führungsalltag und auch in dem meiner Klienten.

Raum für Emotionen

Denn eins ist klar – auch wenn selten darüber gesprochen wird: Führungskräfte haben Emotionen. Sie sind manchmal wütend. Oder euphorisch. Oder eben auch frustriert. Statt diese Gefühle aber ins Team zu tragen, sollten Sie sie reflektieren. So wie John. Trotz Stress nahm sich John nach dem anstrengenden Meeting die Zeit, um „aufzuräumen“. Er reflektierte das Projektmeeting und seine Emotionen. Zur Unterstützung rief der einen Kollegen an, dem er vertraut und der ebenfalls am Meeting teilgenommen hatte. Gemeinsam gelang es ihnen, die Frustration hinter sich zu lassen und John konnte unvoreingenommen sein Teammeeting beginnen.

Allein oder zu zweit

Dieses Beispiel zeigt, wie gut das Reflektieren der eigenen Emotionen tun kann. Manchen gelingt das am besten alleine, andere suchen sich einen Vertrauten, wieder andere bevorzugen das Gespräch mit einer Dritten. Wichtig ist nur, dass Sie sich ganz bewusst diese Zeit nehmen. Egal, wie viele Mails auflaufen oder wie viele To-dos auf Sie warten. Probieren Sie es aus! Sie werden sehen, dass sich das bewusste Reflektieren Ihrer Emotionen lohnt. Keine Sorge, die vermeintlich verlorene Arbeitszeit haben Sie schnell wieder aufgeholt. Schließlich arbeiten Sie viel fokussierter, wenn Ihre Emotionen geordnet sind. Und auch Ihre Mitarbeiter werden es Ihnen danken, wenn Sie mehr auf sich achten. Die Kunst besteht darin, immer wieder in Resonanz zu gehen mit sich selbst, den anderen Menschen und der Umgebung. Diese geleitete Aufmerksamkeit ist eine solid-agile Basis, um tatsächlich führen zu können. Ist das leicht? Häufig nicht. Ist es den Einsatz wert? Nach meiner Ansicht – und der vieler höchst erfolgreicher Führungskräfte rund um den Globus – unbedingt. Was denken Sie?

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