31.05.2019

Vertrauen im Online-Coaching

In den vergangenen gut fünf Jahren sind das Interesse und die Bereitschaft zum Online-Coaching massiv gewachsen – und so wird mir zuletzt immer häufiger die Fragen gestellt: Was sind eigentlich die wesentlichen Unterschiede zum Real-Life-Coaching? Oft gesellt sich dazu folgender Zweifel: Kann das wirklich gut gehen? Beim Coaching kommt es ja auf Vertrauen und Empathie an. Wie, Frau Ibeschitz, wollen Sie diese persönliche Nähe durch Online-Chats aufbauen?

Nähe in der Distanz

Zugegeben, genau diese Zweifel hatte ich auch, als ich vor zwölf Jahren mit dem Online-Coaching begann. Doch weil ich damals nach Malaysia gezogen war, schlugen meine Kunden von sich aus vor, die Coachings über die Distanz weiterzuführen. Das war der einzige Weg. Und ja, heute nach mittlerweile mehr als 1000 Online-Coachings kann ich sagen: Es funktioniert! Und bekräftigen: Prüfen Sie unbedingt, ob das Online-Coaching nicht auch für Sie einen absoluten Mehrwert ergibt! Denn es spricht vieles dafür.

In einer Arbeitswelt, in der die Digital Natives in den Führungsetagen angekommen sind und der Umgang mit digitalen Technologien selbstverständlich geworden ist, ist das Online-Coachen nicht mehr wegzudenken. Aber das rapide steigende Interesse liegt vor allem an der Entwicklung der Arbeitsformen. Stichwort: digitale Transformation sowie agile Arbeitsweise. Und durch die Möglichkeiten des vernetzten Arbeitens sitzen heute selbst in provinziellen Regionen High-End-Companys, die vom Online-Coaching enorm profitieren.

Doch wie schaffen Sie es, auch an solch entlegenen Orten die Nähe trotz der Distanz herzustellen?

Nicht missionieren

Das Online-Caoching unterscheidet sich vom Grundprinzip her nicht vom Real-Life-Coaching. Letztlich ist das digitale Medium nur ein anderes Gefäß für den gleichen Inhalt – wenn Sie einige Punkte beachten, um die Nähe herzustellen.

Mir ist es wichtig, dass ich mich vor dem Online-Coaching zumindest einmal persönlich mit meinen Klienten getroffen habe. Am besten beim ersten Gespräch oder während der Festlegung einer glasklaren und vertrauenswürdigen Auftragsklärung. Zudem halte ich viel vom Blended-Coaching: also die Verbindung von Real-Life und Online. Mir geht es nicht darum, missionarisch darauf zu beharren, dass das Online-Coaching immer die beste Möglichkeit darstellt. Nein, viel erfolgreicher ist es, eine gesunde Balance aus beiden Welten herzustellen.

Der Opa in New York, die Enkelin in Wien

Die Verbindung gelingt besonders gut, wenn Sie drauf achten, möglichst alle digitalen Träger zu nutzen, um Nähe herzustellen. Holen Sie sich die Tools, um viele gemeinsame Erlebnisse und Eindrücke zu sammeln. Das gelingt inhaltlich, indem Sie etwa Präsentationen oder FlippCharts zeitgleich auf dem Bildschirm haben, und persönlich durch das Schaffen von Ritualen: Mit einem Klienten aus Südafrika trinke ich zum Beispiel zu Beginn jeder Session erstmal eine Tasse Kaffee.

Überlegen Sie mal, wie heute selbst Familien über die Distanz ihre Verbindung halten, wenn der Opa in New York mit der Enkelin in Wien über Skype redet. Das können Sie beruflich genauso nutzen.

Nicht zuletzt sollten Sie beim Online-Coaching wie in der analogen Welt auf eine laufende Evaluierung achten. Digital können Sie sogar viel kürzere Iterationen und Feedback-Loops herstellen. Das ist ein Riesenvorteil! Manchmal schreiben mir meine Coachees schon kurz nach einer Sitzung begeistert oder aufgebracht wegen einer Situation ein kurzes Feedback. Und wir können in schnellen, kleinen Einheiten Möglichkeiten zur Unterstützung und Selbsthilfe finden. Manchmal folgt dann auch ein Smiley, der nicht nur in der digitalen Welt viel Nähe schafft. ;-)

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