25.01.2019

Klappe zu und zuhören!

Ich wette, Sie wussten noch nicht, dass das Coaching Ihrer Mitarbeiter wie Streichen ist.

Streichen? Ja, Streichen! Also zum Beispiel die Wände Ihres Schlafzimmers.

Dafür besorgen Sie sich natürlich die besten Werkzeuge im Fachhandel. Das Ergebnis soll schließlich perfekt werden. Sie kaufen also die Premium-Pinsel mit den feinsten Borsten, Roller, die Sie in alle möglichen Längen verstellen können und natürlich eine Farbwanne. Die benutzen schließlich auch die Profis. In Ihrem Heim angekommen, machen Sie sich gleich an die Arbeit. Was Sie jedoch total vergessen: das Abstauben der Wände, das Abkleben der Kanten, das Abdecken der Möbel. Und das Licht ist auch nicht das optimalste. Das miese Ergebnis ist vorprogrammiert.

Werkzeuge allein machen Sie eben noch nicht zum Malermeister. So ist das beim Streichen. So ist das beim Coaching.

Zuhören – hard work

Oder lassen Sie es mich anders ausdrücken: Die besten Coaching-Tools dieser Welt nützen Ihnen wenig, wenn Sie nicht wissen, wie Sie diese richtig einsetzen sollen. Sie brauchen auch die richtigen Rahmenbedindungen. Und zu diesen zählt vor allem aktives, empathisches Zuhören.

Wenn ein Mitarbeiter zu Ihnen mit einem Anliegen im Gepäck kommt, dann ist für Sie als erfahrene Führungskraft klar: Jetzt ist aktives und empathisches Zuhören angesagt. Das ist inzwischen ein alter Hut in der Mitarbeiterführung. Doch was in der Theorie so logisch klingt, heißt für die Praxis noch lange nicht, dass Führungskräfte dies auch genau so umsetzen können …

Meine Erfahrung zeigt nämlich häufig ein ganz anderes Bild. Aktives Zuhören ist anstrengend. Aktives Zuhören ist lästig. Und aktives Zuhören kostet Zeit. Sich zehn Minuten wirklich auf den Mitarbeiter zu konzentrieren und sich auch tiefgründig auf das Gespräch einzulassen, ist für viele Führungskräfte tough. Ihnen fällt das theoretisch Logische also nach wie vor ziemlich schwer.

Gut investierte Zeit

Solche Führungskräfte versuchen es dann lieber mit einer kleinen Abkürzung, um den zehn Minuten aus dem Weg zu gehen. À la „Hast du nicht schon mal an xyz gedacht, um zur Lösung zu kommen?“ retten Sie sich in Sekundenschnelle aus der Situation. Nice try – aber nicht zielführend. Denn nicht Sie sollen Ihrem Gegenüber einen Lösungsansatz auf dem Silbertablett präsentieren. Nein, Ihr Coachee ist der Experte für die Lösungen. Sie als Coach sorgen lediglich für die optimalen Rahmenbedingungen eines solchen Gesprächs, um Ihr Gegenüber dabei zu unterstützen, sich weiterzuentwickeln und voranzubringen. Und dazu gehört eben auch mal: Klappe zu und zuhören.

Versuchen Sie sich also beim nächsten Gespräch mit Ihren Mitarbeitern einzulassen und ihnen auch die notwendige Zeit zu geben. Glauben Sie mir, diese zehn Minuten könnten Sie nicht besser investieren.

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